Donnerstag, 16. Juni 2022

Aufmerksam

                                … bewegen sich seine Augen

über den Rosenbusch

des verwunschenen Bauerngartens,

der in den letzten Wochen

im lichten Zusammenspiel

einander tief zugewandter Ich-Du Hände

aus seinem Dornröschenschlaf erwachte.


Während eine Schar flügge gewordener Jungschwalben

zwitschernd seine Kreise zieht

greift seine Rosenschere wie tanzend 

in das abblühende Rosengefieder

und belüftet in geführter Aufmerksamkeit

entlang unscheinbarer Kräftelinien

den zart rosaroten Strauch für seine zweite Blüte.


Derweil unweit von ihm - Sie 

mit den Blumen spricht, 

die unter ihren beschirmenden Händen,

genau dort ihren Platz finden,

den die mitempfindende Teilhabe ihres Herzens

an den Wachstumskräften dieses Gartens ihr still anzeigt.


Zwei Menschen - authentisch einander verbunden,

dem Frieden dienend.


© baH, 16.06.2022


Samstag, 26. März 2022

Wendepunkt

Erinnernd

im lichten Kettenhemd

der Unverletzbarkeit stehend -

mutig zugewandt

den allseitig hervortretenden

Monden Flügeln

des Selbsterkennens,

betrete ich

in befreiter Selbstverantwortung

erneut die Höhle des Platon 

waffenlos - 

baH, 26.03.2022

Eine Antwort auf Stefan Kraus

https://laforgesita.wordpress.com/wehrlos/2022/03/25/comment-page-1/#comment-1478 

Freitag, 18. Februar 2022

Es ist an der Zeit ...

                        Der Wärme neue Wege öffnen


                Es ist kalt in Russland -

während die Weite des Landes Schnee bedeckt,

martialisch schweres Kriegsgerät

        hin und her verschoben wird

und kalkuliertes Eigeninteresse allenthalben hinter Büschen hockt.


Es ist kalt - in den Wandelgängen

der internationalen Polit-Arenen,

Depeschen des Argwohns und der Besorgnis

über den Globus hinweg versandt werden,

nur um in Hinterzimmern machtpolitisch durch dekliniert zu werden.


Es ist kalt - in unser aller Herzen,

weil wir nicht bereit eigene Streithaltungen ins Auge zu nehmen,

um abends* still das Licht unseres Metanoia-Willens ins Fenster zu stellen.

                © baH, 18.02.2022

                * Jeden Abend um 21 Uhr


                                    Nicht mit uns


                Sprechen wir es doch offen aus

wo immer wir können, 

dass wir nicht bereit sind darüber hinweg zu schauen,

dass Menschen in Russland und der Ukraine

machtpolitischem Taktieren geopfert werden,

weil wir zu feige sind unseren Willen an die Hand zu nehmen

um unüberhörbar laut kundzugeben - nicht mit uns.


Denn über das Erdenrund hinweg ist alles mit allem verbunden.


Wo wir also unseren Willen nicht straffen,

um Einkehr bei uns selbst zu suchen

wird sich auf der Weltbühne nichts verändern lassen,

es sei denn wir alle öffnen unsere Herzen wirksam füreinander

und stellen unser aktiviertes Willenslicht innerer Umkehr ins Fenster.

                © baH, 18.02.2022

                * Jeden Abend um 21 Uhr

 

Mittwoch, 9. Februar 2022

Mitten hindurch

                                Im Sattel aufsitzen und lächeln,

sich aufrichten in der Schwäche,

das kann nur das Ich,

weil es entgegen dem Ego  

die Treiber der Begierden 

an die Hand zu nehmen weis. 


Es führt dich längs aller Unbill

selbst durch das Dunkel des Nichts -

schützt dich, wo aller Boden wankt

mit der wundersamen Unverwundbarkeit

seines sanft leuchtenden Kettenhemds.

© baH, 09.02.2022


Dienstag, 8. Februar 2022

Null - Wende

                                  Einsammeln


Das Scheitern einsammeln,

durchatmend sich weiten -

das ist es,

was in die Tiefe 

Deiner Zukunft führt.


Rückwärts schauen ja …

doch nicht kleben bleiben,

selbst induzierte Bewegung ist

was vorwärts trägt -

Licht in deine Dunkelheit bringt.


Denn das Nichts

zwischen rückwärts und vorwärts

will von Dir dynamisch erfahren sein.


© baH, 07.02.2022



Aufstehen


Am Punkt der grössten Kraftlosigkeit

die Augen erheben im Ingang und

straffen in Langsamkeit

deine zu Boden gegangene Gestalt.


Ob physisch oder psychisch,

das ist nicht von Bedeutung.

Die Kraftlosigkeit will erfahren,

die Langsamkeit aufgebaut sein,

denn nur dann kannst du Einsitz nehmen

im Nichts -

das Ich aus Ego-Schalen befreien.


© baH, 07.02.2022


Mittwoch, 12. Januar 2022

Es ist kalt ...

                                … dort wo nicht beständig

Bewegung in und durch mich

sich neu initialisiert.


Es ist kalt, bis in die Füsse hinein,

wo ich als Zuschauer 

eigenen Vermeinens mich einniste

hinter Fenstern ängstlicher Selbstsichten.


Selbstsichten hinter Eisblumen, 

ohne Konsequenz 

auf tätigen Verwandlungswillen.


oder ...  dem Frost mich stellend

                                ich der Wärme neue Wege öffne, 

        verpflichtet nur meiner grünenden Ich-Tätigkeit.


© baH, 25.01.2021

Dienstag, 28. Dezember 2021

"Nicht ruhe der Suchende"

"Nicht ruhe der Suchende,

bis dass er finde,


hat er gefunden,

wird ihn ergreifen

erschrockenes Staunen, 


von Staunen ergriffen - 

wird er König sein,


König geworden,

wird er erwachen -

zu höherer Ruhe - 

empor „


Übersetzung einer Passage aus dem Thomas Evangelium (Papyrus Blatt 1531) durch Elsbeth Weymann, 

gefunden in Nag Hamadi Dezember 1945

Quelle: https://egoistenblog.blogspot.com/2021/11/nicht-zu-sein-ist-der-beginn-von-allem.html 


„Nicht ruhe der Suchende“


Ruhe -

Du beständig sich weitender

Keimgrund des Sein in mir.


Ruhe -

Du verdichtete Virulenz 

nicht endender Werde-Aufforderungen.


Ruhe -

Du Quellgrund der Stille

in Bewegung.


Bewegung -

Du einzigartige Geste, die

stets aufs neue mich dem Leben übergibt.


Uroborus Du der inneren Ich-Aufrichte.

baH, 28.12.2021


Samstag, 11. Dezember 2021

Im inneren Kreis (Neue Fassung)

                                        Aug in Auge mit dem Du -

                      dem je Anderen

                    baut sich Spannung auf

                    in meinem Willen,

                    wird zur Krafterfahrung eigener Mitte.


                    Mitte, Du unscheinbarer -

                    Schmetterling in meinem Herzen,

                    Du tanzt um die Pfosten 

        verengter Sichtweisen in mir,

                    auf dass von allen Seiten Licht mich erfasse.


                      Wo Vermeinen von deinen Lichtflügeln bewegt

                    seine Blätter in den Wind schickt,

                    der Wind sie in die Leichte trägt,

                    dort wird unter seinem Pfeifen  angestimmt

                    das Lied neuer schöpferischer Möglichkeiten.


                    Wirklichkeit -

                    die Du trittst aus dem Schein ins Sein

                    im Spiel der Blätter,

                    die vom Wind kreiselnd fortbewegt

                    ihr tieferes Gesicht offenbaren …


                    auf den Flügeln Deiner Bewegung, 

                    finde ich mich ein im inneren Kreis meiner Mitte.

                    

                    © baH, 18.12.2016/11.12.2021

Freitag, 10. Dezember 2021

Dezember - Licht (2. Version)

Im inneren Anschauen

lösen Lebensblätter sich,

fallen zu Boden und -

stehen durch Wandlungen hindurch

im neuen Kleide wieder auf.


Intuitiv umgepolte Lebenswanderschaft


Im Lichte des Du tritt,

in sanft wirkender Stille, 

widerspruchslos hingenommenen -

selbstschöpferisch

Horizont erweiternde Bewegung Dir vor Augen.


Du erwachst in belichteter Kraftgebärde 

neu geboren im Herzraum der Weihnacht.

© baH, 10.12.2021




Donnerstag, 9. Dezember 2021

Fallende Blütenblätter

                                Leise segeln sie im Herbstwind

zeichnen in die Abendstimmung

Abschied und Überwindung.

                                In klingenden Intervall Räumen

lange behüteten Wachsens,

lässt leise Freude

zukünftiges Werden vorausahnen.

                                © baH, 15.11. 2021


Mittwoch, 29. September 2021

Zwei Bruchstücke aus 2012

                                          Nachgedanken


Ein Hauch von Einheit -

Interesse,

Interesse, in dem ich 

lauschend denke,

mich ganz und gar

in und mit 

den Gedanken des Du

bewege,

ich gegenwärtig bin

im denkenden Du.


Gegenwärtig -

G e i s t e s gegenwärtig

Ich gehe

in der Mitte 

des Denkens,

in dem das Du,

in Bewusstheit

mir wird

zum  a l l einigen Wegweiser.

Ich -

in das Ich-Bin

auferstehe.


© baH, 29.09.2021


                                            Menschlichkeit


                                        Denken ist

Gegenwärtigkeit 

im Licht

und wo Licht 

im Denken

ist,

ist Ich

bin ich

im Ich,

ist 

Menschlichkeit.


© baH, 29.09.2021


Du

                                Schön ist es Dich an meiner Seite zu wissen,

so nah und doch so eigenständig.


Unbestechlich weis Dein Blick konkret praktisch

stets über das Nahe - Liegende hinaus

das grössere Ganze im Auge zu behalten …


und mutig gegen einen jeden

wie auch immer gefallsüchtigen Trend

für das solchermassen Gesehene einzutreten.


                                Unbequem ist dieser Weg,

am Ende jedoch Dein einzigartiges …

unverzichtbares Zeugnis gelebter Freiheit.


© baH, 21.09.2021

RM gewidmet

Dienstag, 24. August 2021

Schrei

                    Ich umsonst geboren -
                    hinter zugenähtem Mund
                    in den Tiefen der Stille,
                    die Zärtlichkeit meines Herzens
                    umsonst?

                    Mein Herz -
                    ich weiss,    
                    es gab Frühling und Zeiten der Freude,
                    doch mit gebrochenen Flügeln kann ich nicht fliegen.

                    Schon lange verstummt sind die Lieder -
                    vergessen nicht das Singen,
                    auch wenn mein Herz beständig von Trauer reden muss.

                    Nicht bin Ich
                    die zarte Weide, die in Lüften zittert,
                    ich bin afghanische Tochter
                    mit der Kraft zu schreien,
                    die Mauern erzittern lässt -
                    in der Hoffnung
                    eines Tages den Käfig zu brechen.

                    Frei von Erniedrigung
                    und auf den Lippen
            den Gesang der Zärtlichkeit meines Herzens.
                   
            © Bernhard Albrecht Hartmann, 18.11.2015/24.08.2021

            Freie Nachdichtung eines Gedichtes der afghanischen Lyrikerin
                    Nadja Andjoman aus dem Englischen,
                    die 2005 von ihrem Ehemann zu Tode geprügelt wurde.

Sonntag, 4. Juli 2021

Die drei Könige - als Sonnwende Ereignis an der Zeitenwende(?) 2. Version ✲

  Drei  „K ö n i g e“  wandern 

in das Gelobte Land, um

der Verheissung vieler Menschen folgend

nach endlosen Mühsalen sich selbst zu finden -

n e u g e b o r e n  in einer Krippe am Rande der Welt.


All zulange suchend

opfern sie auf verworrenen Wegen 

auch das letzte Pfand ihrer ursprünglichen Selbstherrlichkeit,

bis im „Niemandsland“ sie finden 

zu jenem Stall, darin das königliche Kind

gebettet liegt zwischen Ochs und Esel,

in einer Krippe am Abgrund des Nichts.


Und sie erfahren, da sie all ihren Reichtum

auf dem Weg hinter sich gelassen

in grosser Bestürzung

vor dem Kinde auf Knien liegen,

in Händen allein die Gaben -

Gelassenheit geronnen in golden funkelnden Tränen,

den Duft des Weihrauchs,

gewonnen aus der Selbstüberwindung vieler Tage

und die von Bitterkeit all ihrer Weg-Wagnisse befreite Myrre -          

                sich in Hingabe vereint an diesem Morgen in Rosenrot.

                

                © baH, 06.08.2021

                Aus Notizen von August 2015

                zusammengeführt zwischen dem 16.07. und 04.08.2021                                                                                                    

❋ PS.: Ich kann nicht verhehlen, dass das Thema der                 

                heiligen drei Könige in eine zeitgerechte Form zu bringen

mich über lange Zeit immer wieder herausgefordert hat.

So ist die Form, die ich an Stelle der bisherigen einstelle

in meinem inneren Prozess vielleicht nicht die letzte, 

aber gegenwärtig wohl die beste Form, die ich anbieten kann.



Montag, 24. Mai 2021

Neu ver-ortet

            Welchen Reichtum bergen die Dohlen des Urwortes,
            dem der lauschend sich hinein wagt
            in die Intervalle landläufig so dahin Gesagten.


            Goldkörner verborgenen Lebens findet er,
            vergraben im Staub der Gewöhnlichkeit,
            weil nichts ist, wie es auf ein Erstes hin erscheint.


            Sprache, Du Hort beständiger Neugeburt.


            Am Strassenrand ersterbender Worte
            brechen sie auf die Knospen künftigen Lebens,
            dem der sie aufnimmt in sein Herz ...


sie trägt durch den Stundenbann des Werdens gereiftem Leben zu.

                        © baH, 24.05.2021
                        Dem Musiker und Poeten 
                        Rainer Fuchs gewidmet




 

Kommentare

                                Lähmend torkeln
                                Meinungen
                                durch die Kommentarspalten
                                zu den Tagesnachrichten.

                                Ja torkeln, weil -
                                nicht wirklich Hand gereicht wird
                                dem Gegenüber.

                                Kein Interesse
                                bezeugt wird für das,
                                was der Andere 
                                im tieferen Sinne denkt.
                                
                                So gehen sie
                                aneinander vorüber,
                                die Damen und Herren
                                mit ihren aufgeputzten 
                                Blickweisen für dies und das,
                                blasen auch schon einmal
                                dem Anderen den Hut vom Kopf
                                oder weisen ihn schroff
                                in seine Schranken.

                                Nur das tun sie nicht -
                                einander zuhören.

                                © bah, 20.05.2021                             

        

Donnerstag, 20. Mai 2021

Aller Anfang ist ...

                            Kleine Dinge sind es,
                            die den Neuanfang
                            bestimmen,
                            Dein "Auferstehen"
                            aus diffusen Gefühlen
                            und zutiefst versteckten
                            Ängsten bewirken.

                            Kleine Ereignisse, die
                            in Deinem Herzen geboren
                            in die Welt hinaus
                            gesandt werden wollen.

                            Farbtupfer
                            am Häkelwerk von Vielen,
                            die verstreut
                            und doch zusammen
                            am Regenbogenleuchten
                            des schöpferischen neuen Morgen
                            arbeiten.

                            Sei Du
                            das Geschenk
                            für die Vielen,
                            die mit Dir in Liebe verbunden sind.

                            © baH, 19.05.2021

                             

Sei Du Ereignis

                            Die Zukunft ist nicht,
                            denn sie ist
                            die Illusion Deines Selbst,
                            Deiner ende-los
                            verlängerten Vorstellungen -

                            ist der bösartige Schimmel
                            auf dem Käse
                            Deiner Gewohnheiten,
                            die Du be-ständig
                            in faulen Erwartungen zudeckst.

                            Bis Du
                            in gelebtem gegenwärtig Sein
                            Zukunft erschaffst
                            allein aus Dir selbst -

                            in Deinem Lächeln
                            mitten im Getriebe
                            der Fussgängermeile
                            Deiner Stadt -

                            im Handreichen der Münze
                            "Aug in Auge" 
                            mit dem Bettler
                            am Strassenrand.

                            © bah, 18.05.2021