Samstag, 20. Juni 2015

Eine notwendige Anmerkung zu dem Gedicht: Mitten unter uns

In diesem Gedicht geht es nur vordergründig um das Flüchtlingsgeschehen im Mittelmeer, das für sich genommen schon unfassbar ist.
Es ist zwar richtig, dass wir alle mehr oder weniger in unserem Leben auch Flüchtlinge vor uns selbst und vor anderen sind. Dies trifft jedoch noch nicht wirklich in das Zentrum dessen, was gegenwärtig auf und um das „Mittel - Meer“ herum geschieht.
Die Festung Europa bäumt sich auf gegen die Erneuerung seines sozialen wie wissenschaftlichen Verständnisses  von „dem Leben zugewandten“ Ordnungen schlechthin. Die verschleierte Pest geht um und hat längst „alle“ Bewohner dieses Kontinents mit ihrer Abstraktionsnadel infiziert - unausweichlich alle.
Selbst Menschenkreise die in Randbezirken seiner Gesellschaften sich für auserwählt halten mögen und an einer Umkehr der Verhältnisse auf die eine oder andere Art schon arbeiten (ob in Rocker- oder Newage- Zusammenhängen, in Gebets- und Umweltkreisen oder anderweitig weltanschaulichen Verbindungen) sind davon betroffen, solange sie sich im Streit um den rechten Weg in ideologischen Scharmützeln oder persönlichen Animositäten gegenseitig offen oder versteckt an die Gurgel gehen.
Damit ist keineswegs indirekt auf eines der vielen Weltuntergang Szenarien, die heute allenthalben kursieren, es ist vielmehr auf ein zutiefst menschliches Grundgeschehen verwiesen, das durch zahllose Debatten und Konferenzen um eine sich ausbreitende, weltweite Terrorgefahr und die damit, wie gesagt wird, notwendig in Verbindung zu bringenden Sicherheitsfragen nur verschleiert wird.
Es ist das Grundgeschehen der Beschämung, das dem im Geiste des Sokrates „an die Wurzel hin Fragen“ in seinem tiefsten Sinne zugrunde liegt, eines Fragen, das sein Pendant, das Erleben mit einbezieht und sich damit vor der Gefahr eines Vereinseitigen  in der Reduktion auf Abstraktionen im Denken  freihält und bewahrt.
Wenn ich in dem Gedicht „Mitten unter uns“ leise auf die Schwestern der Rose hinwies, so ist dabei jenseits des Streites um irgendwelche Quoten auf ein tief liegendes Wirken zumeist kaum ernsthaft erkannter starker und auf eine jeweils einzigartige Weise weiser Frauen gedeutet, die über ein geistiges Band miteinander in Verbindung stehen und leise Einfluss nehmen auf gesellschaftliche Prozesse. Die Fähigkeit zur Erlebnistiefe dieser Frauen bei einer gleichzeitig sehr besonderen Klarheit im Denken könnte wegweisend wirken, wenn denn mehr Männer den Mut entwickelten über ihr Traumtanzen in Abstraktionen hinaus zu wachsen. Die Krise Europas ist auch eine Folge weitreichend unterentwickelten,  tiefer gegründeten „gleichrangig wertschätzenden“ Zusammenwirkens von Mann und Frau.
Sie ist eine Krise von Männern, die auf kaum zu überbietende Weise das Fürchten vor dem Grund, das Erfahren des Nichts zu umgehen trachten, die lieber des nachts heimlich über Zäune spähen, in der Hoffnung einen anderen Mann zu entdecken, der die Führung im spirituell unwegsamen Gelände übernimmt. Ein von Anfang an zum Scheitern verurteiltes Unterfangen.
Auch da und dort in Erscheinung tretende, mehr oder weniger klare Mutationen zum Guru gründen bei genauerem Hinsehen nicht selten in einem subtil emotionellen Bedürfnis, einer verborgenen Angst derselben an den Abgründen zum Nichts hin eigene Bedeutsamkeit wie aufzublasen, um sich selbst zu spüren, anstatt im Durchgang durch Erschütterungen der Beschämung auf den eigenen Kern hin zu reifen.
Meisterschaft war und ist von jeher ein Unterfangen, das eigenständig im Erwachen am Du und daran sich erschliessenden seelischen Beobachtung voran zu bringen ist. Eine  in krisenhaften Umbrüchen in bestimmten sozialen Netzwerken gerne in Umlauf gebrachte Hoffnung auf einen zu erwartenden Tröster verzerrt ein reales Geschehen dahingehend, dass der „Tröster“ keinesfalls auf ein äusseres Ereignen in einer Person deutet, sondern allein auf eine mögliche innere, rein geistige Erfahrung im Zuge einer inneren Reifung hinweist.
Ohne eine „Ein - Sicht“ auf einen grundlegend zu erneuernden Willen wird Europa auf längere Sicht gesehen seine Probleme nicht Frieden schaffend lösen können.

© baH, 20.06.2015

Mittwoch, 17. Juni 2015

Der Mohn

                    Das Karge zieht er vor
                    dem Üppigen,
                    die dünne Erdkrume
                    dem saftig federnden Untergrund,
                    wählerisch -
                    wie er ist
                    „der Mohn.“

                    Auf schmalsten Erdpolstern
                    setzt er sich nieder
                    und atmet hinaus in die Weite
                    sein glühend Rot, spricht -

                    Nur eines braucht die Liebe
                    um zu gedeihen -
                    Vertrauen.

                    © baH, 17.06.2015

                                 Sommerweg
                       

                    Schon drängt er sich wieder
                   
                     durch Spalten und Ritzen
                       
                       folgt steinigen Wegen
                          
                          vergangener Tage

                        Beharrlich glüht er
                        
                       der Sonne entgegen
                       
                     auf friedlichen Wegen
                  
                und Schlachtfeldern stumm

                      Rot blüht der Mohn
                           
                        bis zum Horizont
                               © bmh

Dienstag, 16. Juni 2015

Begeisterung

                Sänger bin ich 
                im Chor der Engel -
                Lichtjubel,
                in der Gebärde meiner Arme!

                So rüttle ich am Gebälk dieser Welt,
                auf dass alle Schutzschilder -
                zerbrechen
                und ein grosses Werde
                die Herzen der Menschen
                in gemeinsamem Tun verbindet.

                Hier und jetzt will aus unserem Tun,
                durch die Kraft der Güte,
                auferstehen das neue Jerusalem.

                © Bernhard Albrecht, 1995/2011
                (In Erinnerung an einen grossen Menschen,
                der das Wort führt durch die Schleier
                einer geistigen Behinderung)

Amfortas

                    „Was wirret Dir,“
                    dass Du den Anderen
                    an Deiner Seite
                    nicht sein lassen kannst,
                    wie das Leben
                    ihn eben jetzt sein lässt -
                    was wirret Dir?

                    Was mäkelst Du an Ihm herum,
                    sammelst schwarze Splitter,
                    die, wie Du meinst
                    seine Engstirnigkeit,
                    sein völliges Danebenliegen
                    in Gefühl und Denken
                    belegen,
                    sonnenklar -
                    was wirret Dir?

                    Du unterstellst ihm,
                    wie einst Odysseus,
                    List und Falschheit
                    in seinem Tun und Sagen
                    und -
                    erwägst auch nicht einen Augenblick,
                    dass es Dein Beharren vor Veränderung,
                    Deine Ego-Angst sein könnte,
                    die Dich so in Rasche bringen.

                    Ist es das,
                    Du jähzorniges Kind,
                    Deine Furcht vor Ich-Verantwortung?

                    © baH, 16.06.2015

Stilles Werden


                    „Mädchen“ Du,
                    das in seiner priesterlichen Seele
                    die ganze Tiefe
                    des Frau - Sein in sich birgt,
                    was grämst Du Dich
                    um den so ganz der äusseren Welt
                    zu gewandten Mann an Deiner Seite.
                   
                    Was willst Du mehr,
                    da Du den Schlüssel der Erfüllung
                    in einer bedingungslosen Liebe
                    ohne Anhaftung
                    unter Deinem Herzen trägst.

                    Streichle sein Wegschaffen
                    in stiller Anteilnahme und Klarheit
                    mit dem Atem,
                    der gründet in der Treue zu Dir selbst
                    und verbiege Dich nicht in Erwartungen.

                    Hüte den Brunnen
                    der dunklen Kraft in Dir,
                    denn auch  e r  trägt Liebe in sich,
                    die er scheu vor Dir verbirgt,
                    bis sein Ich auf fremden Wegen erwacht.

                    © baH, 15.06.2015
                    für Anne

                   
                   

Die Quelle

                    Lässt Du Dich ein
                    auf mich
                    den Grund allen Sein,
                    kommst vorbei,
                    räumst ab
                    die Mauern
                    Deines Vorstellen
                    jedweder Wirklichkeit,
                    bist bereit
                    die Anhaftungen
                    an Dein Ego zu lösen,
                    - „der treue Johannes
                    wird es Dir danken“ -
                    dann öffnet sich Dir
                    erneut die Quelle,
                    die einst zu „Sais“
                    Deinem Blick verschlossen
                    und Du kannst aus mir,
                    dem dunklen Brunnen
                    des Nichts trinken
                    Kraft der „Freiheitsfähigkeit“
                    Deines Ich.
                       
                    © baH, 15.06.2015
                    inspiriert durch das nachfolgende Gedicht
                    von Barbara Hauser
                    www. schwerelos2013.wordpress.com
                       
                       
                             Die Quelle

                        Kommst du vorbei
                        den Durst zu stillen
                        bin ich bereit
                        bin dir zu willen

                        so ist das mit Quellen
                        sie sprudeln
                        und schwellen
                        warm oder kalt

                        Junge und Alte
                        können sich kühlen
                        werd sie umspülen
                        laut oder still
                        wie man es will

                        heftig und zart
                        sanft oder hart
                        kühl bin ich – ja kalt
                        im dämmrigen Wald

                        werd’ in der Sonne
                        warm umfassen
                        willst du mich lassen
                           
                        © bmh

Schau hin

                    Worte
                    umschleichen Dich
                    im „Gedanken Streaming“,
                    blubbern
                    aus Schattenreichen nach oben,
                    schauen Dich an,
                    wie Du meinst, unerbittlich
                    und Du wehrst sie ab,
                    verschliesst Dich.

                    Schau sie an
                    und ihr „Cyberface“
                    weitet in einem Sternen Auge
                    sich zu einer Quelle der Kraft.

                    © baH, 11.06.2015
                    für Jonathan

Mittwoch, 3. Juni 2015

Mitten unter uns

  Sie leben mitten unter uns
und durchschreiten stellvertretend
für uns,
die Tore der Abstraktion zum Sein,
erleben unmittelbar die Qual
des Ertrinkens der Flüchtlinge im Mittelmeer,
während wir von einer Zeitungsmeldung
zur nächsten weiter blättern.

Sie, die Schwestern der Rose
weinen mit Gaia still um ihre Kinder,
die namenlos
den Meeresgrund bevölkern,
Zeugen verratener Menschenwürde.

© baH, 03.06.2015

In diesem Gedicht geht es nur vordergründig um das Flüchtlingsgeschehen im Mittelmeer, das für sich genommen schon unfassbar ist.
Es ist zwar richtig, dass wir alle mehr oder weniger in unserem Leben auch Flüchtlinge vor uns selbst und vor anderen sind. Dies trifft jedoch noch nicht wirklich in das Zentrum dessen, was gegenwärtig auf und um das „Mittel - Meer“ herum geschieht.
Die Festung Europa bäumt sich auf gegen die Erneuerung seines sozialen wie wissenschaftlichen Verständnisses  von „dem Leben zugewandten“ Ordnungen schlechthin. Die verschleierte Pest geht um und hat längst „alle“ Bewohner dieses Kontinents mit ihrer Abstraktionsnadel infiziert - unausweichlich alle.
Selbst Menschenkreise die in Randbezirken seiner Gesellschaften sich für auserwählt halten mögen und an einer Umkehr der Verhältnisse auf die eine oder andere Art schon arbeiten (ob in Rocker- oder Newage- Zusammenhängen, in Gebets- und Umweltkreisen oder anderweitig weltanschaulichen Verbindungen) sind davon betroffen, solange sie sich im Streit um den rechten Weg in ideologischen Scharmützeln oder persönlichen Animositäten gegenseitig offen oder versteckt an die Gurgel gehen.
Damit ist keineswegs indirekt auf eines der vielen Weltuntergang Szenarien, die heute allenthalben kursieren, es ist vielmehr auf ein zutiefst menschliches Grundgeschehen verwiesen, das durch zahllose Debatten und Konferenzen um eine sich ausbreitende, weltweite Terrorgefahr und die damit, wie gesagt wird, notwendig in Verbindung zu bringenden Sicherheitsfragen nur verschleiert wird.
Es ist das Grundgeschehen der Beschämung, das dem im Geiste des Sokrates „an die Wurzel hin Fragen“ in seinem tiefsten Sinne zugrunde liegt, eines Fragen, das sein Pendant, das Erleben mit einbezieht und sich damit vor der Gefahr eines Vereinseitigen  in der Reduktion auf Abstraktionen im Denken  freihält und bewahrt.
Wenn ich in dem Gedicht „Mitten unter uns“ leise auf die Schwestern der Rose hinwies, so ist dabei jenseits des Streites um irgendwelche Quoten auf ein tief liegendes Wirken zumeist kaum ernsthaft erkannter starker und auf eine jeweils einzigartige Weise weiser Frauen gedeutet, die über ein geistiges Band miteinander in Verbindung stehen und leise Einfluss nehmen auf gesellschaftliche Prozesse. Die Fähigkeit zur Erlebnistiefe dieser Frauen bei einer gleichzeitig sehr besonderen Klarheit im Denken könnte wegweisend wirken, wenn denn mehr Männer den Mut entwickelten über ihr Traumtanzen in Abstraktionen hinaus zu wachsen. Die Krise Europas ist auch eine Folge weitreichend unterentwickelten,  tiefer gegründeten „gleichrangig wertschätzenden“ Zusammenwirkens von Mann und Frau.
Sie ist eine Krise von Männern, die auf kaum zu überbietende Weise das Fürchten vor dem Grund, das Erfahren des Nichts zu umgehen trachten, die lieber des nachts heimlich über Zäune spähen, in der Hoffnung einen anderen Mann zu entdecken, der die Führung im spirituell unwegsamen Gelände übernimmt. Ein von Anfang an zum Scheitern verurteiltes Unterfangen.
Auch da und dort in Erscheinung tretende, mehr oder weniger klare Mutationen zum Guru gründen bei genauerem Hinsehen nicht selten in einem subtil emotionellen Bedürfnis, einer verborgenen Angst an den Abgründen zum Nichts eigene Bedeutsamkeit wie aufzublasen, um sich selbst zu spüren, anstatt im Durchgang durch Erschütterungen der Beschämung auf den eigenen Kern hin zu reifen.
Meisterschaft war und ist von jeher ein Unterfangen, das eigenständig im Erwachen am Du und daran sich erschliessenden seelischen Beobachtung voran zu bringen ist. Eine  in krisenhaften Umbrüchen in bestimmten sozialen Netzwerken gerne in Umlauf gebrachte Hoffnung auf einen zu erwartenden Tröster verzerrt ein reales Geschehen dahingehend, dass der „Tröster“ keinesfalls auf ein äusseres Ereignen in einer Person deutet, sondern allein auf eine mögliche innere, rein geistige Erfahrung im Zuge einer inneren Reifung hinweist.
Ohne eine „Ein - Sicht“ auf einen grundlegend zu erneuernden Willen wird Europa auf längere Sicht gesehen seine Probleme nicht Frieden schaffend lösen können.

© baH, 20.06.2015

Dienstag, 26. Mai 2015

Kraftfelder

                    Dunkelheit
                    greift wie mit Polypen Armen nach Dir,
                    sucht
                    von Innen her
                    Dir den Lebensatem abzuschneiden.

                    Tränen
                    fallen in Sturzbächen
                    über Dich her -
                    Du weisst nicht
                    sie zu zügeln.

                    Die Frontlinien
                    des Nichts vor Augen
                    spürst Du nichts -
                    nicht einmal Dich selbst.

                    Finsternis.

                    Du flüchtest Dich hinaus
                    in die Wildnis der Natur,
                    spürst auf Deinen Erkundungen
                    die verborgenen Kraftfelder
                    der südlichen „Externsteine“ auf,
                    lehnst an den Felsen,
                    und lebst auf
                    in der schwingenden Kraft
                    des Bodens, auf dem sie stehen.

                    Wie von Ferne
                    umweht Heilung
                    Deine wunde Seele.

                    Du lächelst.

                    © baH, 26.05.2015
                   

Durch den Hades

                    Du gehst hinunter in die Finsternis,
                    ungebeugt,
                    dem Leben zugewandt.

                    Du weisst nicht,
                    ob Du zurückkehren wirst,
                    so, wie Du heute Dich noch erfährst.

                    Nichts ist gewiss
                    und doch leuchtest Du -
                    ein Licht in der Ungewissheit.

                    Du legst Dein Geschick
                    in Dir fremde Hände
                    ergibst Dich ihrer Kunstfertigkeit -
                   
                    Urvertrauen umhüllt Dich
                    mit einer Aureole heilender Kraft.

                    © baH, 26.05.2015
                    Einem Gehirntumor Patienten gewidmet

Sonntag, 24. Mai 2015

Danke

                      Nicht wissend was mit ihnen ist,
                      sitzen die beiden Alten
                      auf einer Bank nahe dem Bach,
                      der sein vor sich hin plätscherndes Lied
                      dem Gezwitscher vieler Vögel
                      wie in einem Kontrapunkt
                      unscheinbar beimischt.

                      Versunken
                      in eigene, filigrane Welten
                      scheint er ins Leere zu blicken,
                      während sie,
                      aus einer fernen Erinnerung
                      wie zurückkehrend,
                      plötzlich zu sprechen anhebt.

                      Sie erzählt von einem Sommertag
                      aus einer längst vergangenen Zeit,
                      so frisch,
                      als sei es erst gestern gewesen
                      und zaubert,
                      je länger sie so vor sich hin plaudert
                      eine zarte Röte auf seine bleichen Wangen.

                      Er springt plötzlich auf,
                      nimmt sie bei der Hand,
                      umfasst mit der anderen ihre Hüften
                      und sie wirbeln
                      um den blühenden Kastanienbaum,
                      bis ein Kind auf sie zuläuft
                      und ruft, Opa erzähl mir eine Geschichte -

                      Jung und alt dem Leben verbunden
                      über zwei Geschichten, Worte,
                      die vom Leben erzählen
                      und in den Augen des Kindes
                      blühendes Leben erschaffen.

                      © bah, 24.05.2015

Guten Morgen

                      Wie sie so beieinander sitzen,
                      ein jeder über seine Kaffeetasse gebeugt,
                      wortlos -
                      einander widerstreitende Stimmen
                      spürend in sich
                      und doch ungreifbar nicht zu benennen,
                      breitet sich Leere aus.

                      Leise füllt
                      Schwere den Raum,
                      bis er seine Hand sanft über ihre legt -
                      mit seinem Lächeln
                      den Weg öffnet in den neuen Tag.

                      © baH, 21.05.2015

Pfingstgeist

                      Ratlosigkeit breitet sich aus
                      zwischen den Worten,
                      die sie untereinander
                      in Dialog verdrängendem Geschwätz
                      bewegen -
                      eine Ratlosigkeit,
                      die unwissend
                      hilflos um sich schlägt,
                      verkrampft in verleugneter Angst
                      vor der Leere im eigenen Herzen,
                      dem Nichts -
                      das unscheinbar sich ausbreitet all-überall.

                      Ratlosigkeit -
                      weil die kleine Umkehr
                      zur Aufmerksamkeit allein auf sich,
                      dem "erkenne Dich selbst" am Du
                      nicht vollzogen.

                      - Das Wir des heilenden Geistes -
                      im Austausch von Gefühlen und Gedanken
                      wird wirkkräftig in einer Aufmerksamkeit,
                      die ihren Mittelpunkt stetig neu findet
                      in der bewegten Stille des eigenen Ich.

                      © baH, 21.05.2015

Sonntag, 10. Mai 2015

U-Bahn Pöbelei

Professoral,
das Augenglas auf der Nase
sitzt er in der 1. Klasse,
die Tageszeitung
mit seinen feingliedrigen Händen
bedächtig
Seite für Seite wendend.

Aus seinen rot geränderten Augen
tropft
unübersehbar ein großes Wissen.

Da stürmt ein jugendlicher Rocker
durch den Gang,
reisst die Zeitung mit sich fort,
nimmt sie durch die Zugtür
hinaus auf den Bahnsteig;
der Professor,
mit hochrotem Kopf hinterher.

Der junge Mann wendet sich um,
sieht zwei Bilder aus der geöffneten Aktentasche
zu Boden gleiten,
bückt sich und reicht sie dem Zornroten.

Der sehend,
was arglose Hände ihm reichen,
erbleicht -
er, mit einer Stripperin auf dem Schoss
und er seine Frau innig umarmend, zwei Urlaubsbilder.

Nach einem endlos erscheinenden Augenblick
entschuldigt sich der Professor, Tränen in den Augen;
der Rocker erwidert flapsig,
nichts für ungut alter Mann,
ich tat nur, was ich für richtig hielt.

Aus der sensationslüsternen Menge tönt es,
was war denn das?

© baH, 10.05.2015



 

Sturm der Erinnerung

Irgendwann,
immer mitten am Tag
in seinem da und dort,
den Staublappen in der Hand,
die Tastatur unter den Fingern,
treffe ich diese Erinnerungen,
suchen sie mich heim
bitter süss.

Wie der Südwind,
der gegen meine Fensterläden schlägt,
so brechen sie ein
in meine Tage,
wirbeln auf,
kehren lange Vergessenes nach oben,
gnadenlos.

Irgendwann stehe ich auf,
öffne das Fenster,
der Südwind fächert mein Haar,
legt es  n e u  vernetzt zusammen 
und ich lächele
befreit mir zu,
atme Ein-Sicht im Jetzt.

     © baH, 10.05.2015

Donnerstag, 30. April 2015

Blocksberg

                    Hörst Du es, das Kreischen
                    das über Mauergiebel hinweg
                    und aus Schiessscharten
                    Deiner Ego-Burg
                    im Abwehr Streufeuer tönt?

                    Hörst Du es,
                    Dein verborgen inneres Jammern?

                    Die Hexen sind los
                    und wirbeln auf ihren Besen
                    durch Deine Schattenwelten,
                    legen alles bloss,
                    was Du lieber bedeckt gehalten.

                    Kehraus vor der Ich bin Geburt.

                    © baH, 30.04.2015
               

Reinigung

                    Ein jedes Ander-Wort
                    löst Resonanz aus,
                    in mir,
                    weist einen Weg,
                    den ich gehe
                    oder
                    mutlos verweigere.
           
                    Ein jedes Wort
                    ein strahlender Stern,
                    das
                    in unendlicher Geduld
                    wartet,
                    bis ich die Rollos
                    vor meinen Fenstern
                    bereit bin
                    hochzuziehen.
   
                    Ein jedes Wort
                    ein Quell der Kraft
                    zu seiner Zeit,
                    schaue ich ihm
                    nur tief genug
                    in sein Sternen-Auge.

                    © baH, 30.04.2015

Mittwoch, 29. April 2015

Zwischen ...

                    Ein jedes Vorwärts bedingt -
                    ein Rückwärts,
                    das Rückwärts wiederum
                    ein Innehalten
                    und
                    Besinnen.

                    Alles hat Bedeutung,
                    will ausgemessen sein,
                    ins Lot gehoben
                    zum geöffneten Auge werden,
                    innerlich, im nächsten Schritt.

                    Der Weg,
                    ein Sich Annähern,
                    ein Umfassen
                    des erwachenden Geistesauge.

                    © baH, 29.04.2015

                   

Dienstag, 28. April 2015

Schmerzvolle Rückschau

                    Eingeschlagen in allzu viele Decken
                    sinne ich hinein in die Kernzonen
                    lebenslangen Erlebens meiner Seele -
                   
                    Vieles habe ich befragt,
                    umgewendet immer wieder neu,
                    was,
                    warum nur,
                    habe ich nicht befragt?

                    Das irdisch Unerfüllte,
                    das Unerfüllbare,
                    ich schaue mit Schrecken
                    in ihm sein Dornen umgrenztes Antlitz,
                    das kreuzte gütig meine Lebenswege,
                    damit ich lernte
                    aus Freiheit zu geben,
                    was nur ich schenken konnte -
                    bedingungslose Liebe.

                    Ich,
                    mich schaudert es,                 
                    ich war eingenommen
                    allein von meiner Sicht -
                    sah nichts,
                    nicht Deine stille Liebe!

                    © baH, 28.04.2015
           

                   

Montag, 27. April 2015

Fragment 1/2015

Dornig ist mitunter der Weg durch die Sprache, verblendet und verwinkelt vielfältig. Das Rauschen des Sinns in den Worten ist nur schwer noch wahrzunehmen. Die Abstraktion feiert ihre Feste der Freiheit auch in der Lyrik, unmerklich oft nahe an den Rändern des Nichts. Eisiger Wind, verpackt in nicht selten willkürliche Symbolismen bestürmt die Versuche erlebender Annäherung an so manche Textkonstrukte, lässt sie über die Ränder ins Leere stürzen noch ehe sie gelingen. Subjektive Bedeutsamkeit bläht sich auf, besetzt Sprachräume mit Sehnsuchtsträumen und krudem Sensationshaschen in kaum belebten Wortspielen.
Herz und Verstand, auseinander gerissen, darben in je eigenem Elend hinter den Gefängnisgittern in sich erstarrter Eigenbewegung. In den Kellern der Abstraktion ist der Prozessgeist des Ich eine Fata Morgana, solange die Gebärden des schöpferischen Schaffens nicht in ein im Inneren bewusstes Erfahren gerückt werden.

                    

Lyrischer Gesang ... mit Ursa Angst

   
                         bitte, sing´das Lied noch einmal ...


                                mein Lied, ich liebe dich
                       Wenn ich dich höre spüre ich in mir
                         eine nicht enden wollende Poesie
                            Wie eine aufspringende Blüte
                     mich verzaubernd legst du den Hauch
                          gesungener Dichtung  in meine
                                  ausgehöhlten Nächte
                      Ich fühle den Schlaf nicht kommen
                          du bist da  berührst mich sanft
                 bringst mir Frieden und bleibst mein Lied
                                 selbst in der Nacht

                                     © UrsaAngst


       

                                    Froher Gesang


                             Mein Lied, „ich höre“ dich -
                             weckst mit deinem Gesang
                             Lichtkräfte in mir
                             und
                             lässt strahlen
                             aus der Mitte meines Herzens,
                             gleich einer aufspringenden Blüte,
                             dem  L e b e n  zugewandten Mut.
                   
                             Mut,
                             der mein Tagwerk durchpulst,
                             belebt mit friedvoller Tat.

                                © baH, 26.04.2015

Sonntag, 26. April 2015

Fünfzehn und mehr Jahre

                                   Treue


                    Geheimnis –
                    Verborgen zwischen den Klippen
                    zahlloser Versprechen,
                    im Dickicht
                    schöner Worte.

                    Aufleuchtend
                    in den Spiegeln des Selbst
                    und dennoch     
                    geborgen im Du.

                    Frierend
                    in Sturm umtosten Schächten
                    langer Aufstiege
                    der Selbstfindung.

                    Treue –
                    du rätselhaftes Kleinod,
                    befreit von den Dornen
                    jedweder Bindung
                    blühst du empor
                    aus den Abgründen
                    der Entsagung
                    und findest dich wieder
                    als die treibende Kraft
                    hinter allem Sein
                    in der Ich-Helligkeit
                    deiner schöpferischen Taten.

                    Geheimnis –
                    zerbrechender Illusionen.
                    Allein Dir selbst gehörend
                    breitest Du deine Schwingen aus,
                    goldener Phönix
                    und mit jedem Flügelschlag
                    spürst Du Dich mehr verankert
                    in der Kraft deines Ich.    

                    © 04.08.2004

                                     Du


                    Wie kann ich treu sein,
                    da ich nach all den Jahren
                    immer noch nicht weiss
                    wer ich im Innersten bin,
                    wie kann ich treu sein?

                    Denn -
                    solange ich flüchte vor mir,
                    ist Treue
                    nur das Widerwort meiner Träume.
      
                    Im Bewusstseinsrausch meines Ego
                    stehst Du
                    an mir fremder Küste,
                    einsam gekehrt in Dich.

                    Ich habe Dich dorthin verbannt
                    in meinem Wahn von Freiheit,
                    sehend weder Dich noch mich.

                    Heute -
                    ein wissend Ich,
                    eile ich,
                    treu mir selbst,
                    Dir zu.

                    Scham kehrt sich in Freude!

                    © baH, 26.04.2015        

Samstag, 25. April 2015

Mit gutem Willen

                    Du kannst den Anderen,
                     selbst den Dir nächsten
                              Menschen
                            ändern nicht.

                                Wie Du
               muss er seinen ureignen Weg
                          alleine finden -
                            u n d gehen.

                        Dein guter Wille
               Dich stetig neu zu wandeln
                 in Begegnungen mit ihm,
                              dies allein
                   kann Kräfte entbinden
                       für ein Erwachen                        
                          Aug in Auge.

                        Das tiefe Glück
                     einer dem L e b e n
            entwachsenen Gemeinsamkeit
                 ist dem Tod geschuldet,
                       dem Tod des Ego
                als dem schwersten Opfer
                     Deiner Einsamkeit.

                     © baH, 25.04.2015
                    

Sonntag, 12. April 2015

Missfallen?

                                    Kunst -
                                     ist es
                            ein Missfallen
              mit einem Lächeln zu bekränzen.

                             Höchste Kunst!

                                    Denn
                             leichter ist es
                            in der Emotion
                über den Anderen herzufallen,
                                   als ihm
                    aus einer misslichen Lage,
                           (immer) wieder
                     auf die Beine zu helfen -
                        mit Deinem Lächeln.

                         © baH, 12.04.2015

Donnerstag, 9. April 2015

Worte II

                    Rufer in der Wüste
                    verschlossener Herzen
                    sind sie,
                    suchen Einlass,
                    wollen
                    Sinn stiftend tätig werden:
                    Ist Deine Türe immer offen?

                    © baH,09.04.2015

Worte

                Worte finden die Menschen,
                die sie suchen,
                unscheinbar -
                in den Untergründen ihrer Herzen;
                ein Strom feiner Lichtklänge führt sie.

                Doch
                zugestellt
                sind allzu vieler Menschen Wohnungen
                heute.
               
                Worte aber sind keine Einbrecher,
                sie wollen eingeladen werden
                in offene Herzräume,
                wollen Wurzeln schlagen
                im Geiste der Freiheit.

                © baH, 09.04.2015

Treue

                    Noch ehe der Hahn kräht
                    bist Du Dir
                    untreu -
                    drei Mal,
                    verrätst Du
                    die göttliche Kraft in Dir,
                    Dein Ich.

                    Treue
                    ist die schwerste Kunst,
                    die zu lernen
                    das Leben Dir abfordert,
                    denn es bedeutet
                    das Schwert
                    gegen dich selbst zu erheben.

                    © baH, 06.04.2015

Montag, 6. April 2015

Lichtfunke


                    Vorüber,
                    was?
                    Das.

                    Nichts ist so wichtig,
                    um es ewig zu bewahren,
                    alles muss zu seiner Zeit neu besonnen werden.

                    Was immer auch geschieht,   
                    das Ich ist auf verschlungenen Wegen mit dabei,
                    lächelt über Mauern hinweg,
                    kommt mir im nächsten Schritt entgegen
                    noch ehe ich ihn gesetzt,
                    ist der Quell des Lebens,
                    meiner Kraft.

                    © baH, 03.04.2015

Karfreitag

                            Dunkle Wolken
                                  treiben
                        das grosse Erzittern
                               vor Dir her.

                          Bodenloser Sturz
         durch die Wände alles Vorstellbaren;
                     Nichts ist so, wie es ist.

                            Ein Schimmer,
                      eine zarte Berührung;
                                  Du Ich
                      kommst mir entgegen.

                                 Wie das?
                                  Stille ...

                        © baH, 03.04.2015

Kreuzweg

                        Vorstellungen,
                        sind -
                        das Kreuz,
                        an das,   
                        gerinnende Zeit
                        mich, das Ich
                        kreuzigt.

            Fest gehaltene Vorstellungen,
                             sind -
                         mein Tod.

                    Auferstehung -
                   
  Auferstehung geschieht im Loslassen,
            in der Bewegung des Ich
            vom Grund der Stille her.

                © baH, 01.04.2015
       
                       

Donnerstag, 2. April 2015

Bewegung

                „Du gehst nicht zweimal in den gleichen Fluss,“
                denn bewegt in Bewegung
                bist Du beständiger Neuland Öffner,
                erschaffst die Gegenstände Deines Tuns
                von Augenblick zu Augenblick neu
                und wandelst Dich durch sie -
                erwachend zu sein,
                der Du im Grunde Deines Wesens bist.

                Mit Dir im Reinen weisst Du,
                dass die Tore des Lebens mit ihren Runen
                sich immer weiter öffnen lassen,
                je mehr Du bereit Dich einzulassen
                auf die all-erneuernde Kraft Deines Ich!

                © baH, 09.03.2014/01.04.2015
                Burghard Schildt zugeeignet

Sandspiele

                    Knirschende Schritte im Sand
                    ein Rieseln hinter sich herziehend;
                    Entwürfe im Flug durch die Zeit ...

                    Einatmen
                        manifestieren
                                    ausatmen
                                loslassen
           
                    Das Ich Bin
                    lächelt,
                    klatscht
                    in seine Hände,
                    Neugierde und Freude in seinen Augen -
                    im Neubeginn des Beginnens.

                    © baH, 31.03.2015

Lasten Träger

                Auf einer Bank in der Fussgängerzone
                eine Auszeit
                im Alltagsgetriebe nehmend,
                lausche ich in die Gesichter
                der an mir Vorbeieilenden hinein,
                sehe, höre Verschlossenheit,
                spüre Verbissenheit in der Jagd
                durch innere Terminkalender,
                erfreue mich an den seltenen Spuren
                eines Lächelns,
                tanze mit den Neckereien zweier Jugendlicher
                in die unbekümmerte Leichtigkeit des Seins hinein,
                lasse mich aufwirbeln
                und erhebe mich innerlich beschwingt.

                Festen Schrittes gehe ich meinem Ziel entgegen,
                ordne still die vielen Stimmen,
                die ich vernommen, höre den Ruf:
                Das innere Messi - Dasein ist am Blick der Vielen vorbei
                längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

                Im Kreislauf immer neuer Sensationen
                verhüllt sich uns die Lebensquelle des Ich Bin,
                weil wir immer weniger wissen „wie“ loslassen.

                © baH, 31.03.2015

... "Spur im Spurlosen" ...

                Angehoben der Fuss ins Raumlose,
                schwebend im Noch - Nicht,
                in einem Augenblick der An - Dacht,
                suchend sich,
                seinen neuen Abdruck ...
                nur,
                um seiner vergessend
                in stetiger Wegsuche
                immer neuen Ufern zuzustreben.

                Über inneren Abbruch
                hin zu mir -
                mit einem Lächeln!

                © baH, 31.03.2015
                für Ingeborg
               
                Die Überschrift ist einer „Meditation“
                von Barbara Hauser entnommen

Dialogische Kunst

                    Einer zarten Lichtaura gleich
                    umhüllst Du mit Stille -
                    das Dir fremde Ansinnen des Du,
                    anlandend im Jetzt.

                    Du begrüsst die zu Dir sprechenden Worte
                    von innen her -
                    schweigend,
                    gibst ihnen Raum durch eigene Kraft
                    aus ihren Tiefen heraus zu wachsen.

                    Innerhalb Deiner Aufmerksamkeit
                    bist Du -
                    selbstloser Gastgeber
                    eines Licht - Wesen - Tanzes.

                    © baH, 15.03.2014